Die NVA Kaserne

Wir waren schon einmal an dieser Kaserne, aber eher durch Zufall. Als wir von einer unser vielen Touren auf dem Rückweg waren, viel uns der alte Militärzaun im Wald auf. Also kurz angehalten und durch eines der Vielen Löcher im Zaun mal auf das Gelände geluschert. Wir waren von der Größe fast erschlagen worden. Da wir dies nicht mehr an dem Nachmittag geschafft hätten, entschieden wir uns, das Gelände für eine gesonderte Tour aufzuheben. Gesagt, getan. Dann kam der Tag an dem es wieder hierher ging. Diesmal aber von einer anderen Seite, den wir hatten uns diesmal schon vorher umfangreich über das Gelände und auf Google Maps informiert über die Größe und was dort in etwa alles zu sehen ist. Und so kam es, dass wir auf einem kleinen Parkplatz unter Auto abstellten und von da aus, mit unserer Ausrüstung uns auf den Weg machten. Man sollte ja auch nie direkt davor parken, sonst kann es doch durchaus mal etwas auffällig werden und man kann die eine oder andere Begegnung haben die man nicht unbedingt möchte. Alles Erfahrungswerte. 😊

Die Anlage selbst hat eine lange Geschichte. Ganz früher, 1946 war hier ein Repatriierungslager für sowjetische Kriegsgefangene. Davon ist heute aber kaum noch was zu sehen, außer ein paar alte Blockhütten am Rande der Kaserne, die früher wohl zu dem alten Lager gehört haben. Der Zustand ist auch dementsprechend. 

Die Kaserne wurde Anfang der 60iger Jahren erbaut. Planung und Bauleitung erfolgten durch den VEB Zentrales Entwurfs- und Konstruktionsbüro des Ministeriums für Nationale Verteidigung. Die Bauzeit betrug rund 2 Jahre. Im Sommer 1964 fing die Verlegung des Panzerregimentes in die neue Kaserne an. Die endgültige Fertigstellung war jedoch erst im November 1964. Insgesamt wurde hier eine sehr große Anzahl an Einheiten untergebracht, die aus folgenden Bereichen bestanden: Regimentsstab, Stabskompanie, 3 Panzerbataillone, Instandsetzungskompanie, Kraftfahrzeugtransportkompanie, Nachrichtenkompanie, Regiments-Medizinischer Punkt und Regimentslager. Ferner gab es noch weitere Einheiten, die jedoch nicht zum Panzerregiment gehörten, sondern zu einer anderen Einheit wie die Aufklärungskompanie, Pionierkompanie, Bataillon Chemischer Abwehr und eine Raketenabteilung. Insgesamt müssen hier früher zwischen rund 2000 bis 3000 Soldaten auf dem Gelände gewesen sein. 

Es gab auf dem Gelände theoretische Schießübungen, die in speziellen Räumen stattfanden. Ebenfalls wurde hier der Umgang mit Zielgeräten geübt. Es standen diverse Panzer für die praktische Ausbildung aller Kompanien auf dem Schießausbildungsplatz zur Verfügung. Die Panzer standen auf hydraulischen Wippen, von denen das Schießen aus der Bewegung simuliert wurde. Die Hydraulik konnte sowohl um die Längs-als auch Querachse bewegt werden. So konnte eine Fahrt simuliert werden, aber auf der anderen Seite Kosten gespart werden. Tatsächliche Schießübungen wurden nur auf Truppenübungsplätzen getätigt. Auf dem Weg zum nächsten Truppenübungsplatz wurden Marschfahrten, Nachfahrten und Bahnverladungen geübt. Für das eigentliche Fahrtraining gab es eine spezielle Fahrstrecke in einem Waldgebiet in Kasernennähe. 

Gefürchtet bei der gesamten Truppe, sowohl Offiziere als auch bei der Mannschaft, waren die regelmäßigen Inspektionen durch das Ministerium für Nationale Verteidigung. 

Hierbei wurde nicht nur die Technik, sondern auch der Wissensstand jedes einzelnen Soldaten vom Offizier bis zum hinunter zum Soldaten überprüft. 

Auch die Stasi war in der Kaserne angesiedelt, mit der sogenannten Abteilung 2000. Diese war zur Abwehrarbeit in NVA und Grenztruppen zuständig. Aus Sicherheitsgründen befand sich das Munitionslager außerhalb von dem  Kasernengelände. Wurde aber vom eignen Personal bewacht. 

Jedes Bataillon und jede Kompanie hatte ihren eigenen Bereich in der Kaserne. Alle vorhandenen Fahrzeuge waren ständig einsatzbereit. Dazu gehörten rund 100 gefechtsbereite Panzer, 13 Brückenleger und auch 4 mobile Abschussrampen für Kurzstreckenraketen, sowie Autokräne, Raketentransportfahrzeuge und LKW mit mobilem Gefechtsstand und Messgeräten. Innerhalb von 30 Minuten waren alle marschbereit. 

Im Jahr 1989 wurden rund 30 Panzer außer Dienst gestellt, als Teil von einer einseitigen Abrüstungsmaßnahme. Im Dezember 1989 wurde das Panzerregiment aufgelöst. Bis zum Ende der DDR diente die Kaserne als Ausbildungsbasis. Seit dem Zerfall der DDR steht das Gelände leer und ist entsprechend am Zerfallen. 

Im Jahr 1992 wurden 3 Gebäude als Unterkünfte für Flüchtlinge genutzt, sowie eine zentrale Aufnahmestelle. Auf Grund von einem massiven Protest der Bürger, wurde die Stelle 1993 wieder aufgelöst. 

1999 ersteigerte ein Privatinvestor. Es gab viele Pläne für das Gelände. Anfänglich sollte ein großer Freizeitpark dort nach amerikanischem Vorbild entstehen. Doch auf Grund einer Klage, von einem angrenzenden Campingplatzbetreiber, der die Klage auch gewann, wurde die Genehmigung widerrufen.  Es gab danach noch weitere Eigentümerwechsel. Aktueller Stand ist eine Planung eine Ferienressorts. 

Interessanterweise haben wir in den Gebäuden Berge von ehemaligen NVA Akten und Bauplänen von der Anlage gefunden. Es gab zwei Zimmer voll mit alten Ordnern. Alleine hier hätte man sich wohl zum Stöbern mehrere Tage wenn nicht Wochen aufhalten können. 

Ferner haben wir bei der Recherche noch was Interessantes herausgefunden. In der DDR gab es die Armeesportvereinigung „Vorwärts“. Diese wurde 1956 gegründet. Hier wurde zwischen Leistungssport, Dienstsport und Freizeit- und Breitensport unterschieden. Der Dienstsport war grundsätzlicher Bestandteil der Ausbildung.  Insgesamt wurden 21 Sportarten gefördert. Etliche Sportler im Olympiabereich der DDR kamen damals aus der Armesportabteilung. In dieser Kaserne wurde der Kanusport stark gefördert. Dies lag auch an der günstigen Lage der Kaserne, da in direkter Lage ein großer See war. Neben der Trainingsmöglichkeit am angrenzenden See wurde auf dem Kasernengelände auch eine Gegenstromanlage errichtet, die von den Kanufahrern zum Training genutzt wurde.

 

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