Es war eine lustige Tour mit Freunden. Wir hatten diese alte Industriebrache schon etwas länger im Auge und nun war es soweit. Also erst einmal um das Gelände herumgefahren und das Umfeld sondiert. Wir fanden dann für unser Auto einen recht abgelegen Platz wo wir nicht auffielen. Aber irgendwas war heute mit unseren Mädels los. Die beiden hatten irgendwie ein komisches Gefühl laut deren Aussage. Plötzlich wollten sie doch nicht mehr mitkommen. Nun gut, da wir aber nun vor Ort waren, wollten wir zumindest mal einen kurzen Blick hineinwerfen, ob es sich denn auch lohnen würde ein zweites Mal hierher zu fahren. Also blieben die Mädels beim Auto. Essen und trinken gab es da ja genug und sie werden nicht verhungern. 😊 Mit den Worten wir schauen dann mal kurz, verabschiedeten wir uns durch ein offenes Stück Zaun. Das mal kurz schauen, dauerte dann doch gute 3 Stunden, denn es gab soviel zu sehen, dass wir einfach nicht aufhören konnten. :-D Zwischendurch gab es immer mal Meldung übers Handy an die Zurückgebliebenen, dass bei uns alles ok ist. Die Anlage ist in mehrere Kassetten eingeteilt, die mit einem Doppelstabmattenzaun abgetrennt waren. Dies sollte später noch zu einem gewissen Problem führen. Das erste Problem mit dem riesengroßen freien Platz konnten wir recht schnell ungesehen überwinden. Sobald man in den Industriegebäuden war, konnte man nicht mehr gesehen werden. Das Problem bei der Anlage ist, dass es einen Wachdienst gibt, der in unregelmäßigen Abständen dort seine Runden dreht. Es gab soviel zu sehen, dass wir gar nicht wussten wo wir anfangen und aufhören sollten. Nach rund 3 Stunden waren wir dann auch fast durch. Wir hatten nur noch das Gebäude der ehemaligen Betriebsfeuerwehr vor uns. Als wir so zwischen den Büschen herauskamen, liefen wir fast dem Security, der dort mit einem Elektromobil unterwegs, und daher nicht zu hören war, vor das Auto. Also auf der Hacke umgedreht und die Flucht angetreten. Ab er uns gesehen hat wissen wir nicht, war uns aber auch egal. Jetzt kam das Problem mit den eingezäunten Kassetten auf dem Gelände. So ein Doppelstabmattenzaun ist nicht gerade einfach zu überklimmen, da man seine Füße nicht dazwischen bekommt. Im ersten Feld hatten wir Glück. Direkt in der Ecke wuchs ein Baum, der uns die Möglichkeit bot, mit Baumbesteigung über den Zaun zu kommen. Geschafft, einer blieb aber von uns mit der Hand oben ungünstig hängen. Nun ja mit Verlusten muss man rechnen und solange die Füße funktionieren kann man noch laufen. Bei der zweiten Kassette hatten wir nicht ganz so viel Glück, aber irgendwo war hier doch eine Zauneinheit lose? Gefunden, Zaun beiseitegeschoben und durch. Vorteil wenn man sich auf dem Hinweg immer solche Kleinigkeiten merkt, die einem im Notfall helfen können. Dann ging es noch über den großen freien Platz, wieder durch den Zaun und ab zum Auto. Das war wohl Bestzeit auf der Strecke :-D . Die Mädels freuten sich, dass wir auch endlich mal wieder erscheinen. Sahen unsere Gesichter und fragten was passiert war. Nun ja, die Geschichte kennt Ihr ja. Unsere Bilder hatten wir im Kasten, das war das Wichtigste. Die Handverletzung war übersichtlich und konnte schnell von uns selber verarztet werden. Nun erstmal auf den Schreck was futtern und trinken und dann geht es wieder weiter.
Die Gründung des Werks erfolgte Ende 1953. Früher war hier mal ein Flugzeugbauwerk, welches aber schon abgerissen war. Die Fertigstellung der Industrieanlage dauerte 2 Jahre, so dass Ende 1955 mit der Produktion begonnen werden konnte. Aus ökonomischen Gründen wurden zunächst Faserplatten aus Holzaustauschstoffen wie Rapsstroh oder Ölsaatenstroh produziert. 1956 begann die Herstellung von harten Faserplatten. 1957 gab es hier rund 420 Beschäftigte die in einem Vierschichtsystem arbeiteten. Der Umsatz lag bei rund 4 Mio. Mark. Die Anlage wurde um ein Spanplattenwerk erweitert und auch die Mitarbeiter stiegen dadurch auf über 600 an. Der Umsatz wuchs auf über 21 Mio. Mark. 1969 begann die Vorbereitung zur Herstellung von MDF-Platten. 1972 startete ein Probebetrieb mit einer neuen Anlage aus Schweden. Nachdem alle planmäßig lief, startete die richtige Produktion ein Jahr später. Hinzu kam ein neuer Produktionszweig für Wohn- und Schlafraummöbel. Ende 1973 wurde ein Großteil der Maschinen durch eine Staubexplosion zerstört, was dazu führte, dass die Produktion erst ein Jahr später wieder aufgenommen werden konnte. 1979 wurden verschiedene Möbelproduzenten und – zulieferer mit insgesamt über 7000 Beschäftigten vereint. Größter Teil war das Faserplattenwerk mit über 1700 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 177 Mio. Mark. Täglich wurden hier rund 1400 Festmeter Holz verarbeitet. Die Produktion wurde europaweit verkauft unter anderem auch für das Versandhaus Quelle. Das Unternehmen unterhielt zahlreiche soziale Einrichtungen wie Kinderferienlager, Ferienheime, Sport- und Kulturvereine sowie Kindergärten. In Fabriknähe entstanden eine Plattenbausiedlung sowie eine eigene Poliklinik für die Beschäftigten und die Bevölkerung der Stadt.
Während der gesamten Existenz der Fabrik führten die Abwässer zur Belastung der Umwelt, besonders in den nahen anliegenden Gewässern.
Nach der Wendebrach der osteuropäische Absatzmarkt weg. Das Werk wurde privatisiert, aufgeteilt in 8 GmbHs und Teil einer Holding. 1990 wurde eine Kaufabsichtserklärung zwischen einem vermeintlichen Investor, dem Geschäftsführer der Holding sowie der Treuhandanstalt unterzeichnet. Nach dem Ausbleiben von diversen Investoren, mehreren Entlassungswellen und Wegfall von Kaufinteressenten, übernahm ein Investor das werk 1991 für eine Mark! Ihm wurde später vorgeworfen überhöhte Rechnungen und verdeckte Gewinnausschüttungen in Höhe von rund 55 Mio. Mark erschlichen zu haben. Trotz eines anstehenden Konkurses der Firma wurden insgesamt 276 Mio. Mark an Subventionen vom Bund, Land und der Treuhand investiert. 1996 wurde die Fabrik von der Belegschaft erfolglos besetzt. Nach mehreren gescheiterten Übernahmeversuchen wurde das Werk 1997 geschlossen. Das ca. 46 ha große Firmengelände liegt überwiegend brach. Nur ein paar kleine Bereich sind an Fremdfirmen vermietet. Die Stadt plant das Gelände zu einem Wohngebiet umzugestalten.
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